Die Fastenzeit ist kein Hungerstreik! Lasst uns genussvoll fasten.
Im alten Russland galt es nicht nur als Sünde, sondern auch als unanständig und sogar verdächtig, das Fasten nicht zur vorgeschriebenen Zeit einzuhalten. Man wurde dadurch entweder als Freidenker, Atheist oder „Basurman“ gebrandmarkt. Denn ein solches Verhalten ließ sich nicht einfach mit Völlerei erklären – die Fastenküche war sehr vielfältig, und es gab kein Verbot, während der Fastenzeit gut zu essen, es sei denn, der Fastende war ein asketischer Mönch, der die entsprechenden Gelübde abgelegt hatte. Zudem war der Zeitpunkt des Fastens auf die natürlichen und landwirtschaftlichen Zyklen abgestimmt, und verbotene Lebensmittel waren zu dieser Jahreszeit zu teuer. Es galt als fromm, überschüssiges Geld während der Fastenzeit für wohltätige Zwecke auszugeben, anstatt sich mit schwer erhältlichen Speisen zu verwöhnen. Natürlich war die pflanzliche Kost im Winter vor Weihnachten und im frühen Frühling während der Fastenzeit nicht so vielfältig, aber Gemüse, das sich lange im Keller lagern ließ, und zahlreiche Konserven, insbesondere Sauerkraut, getrocknete Pilze und Beeren, sowie im Sommer gesammelter Honig, reichten aus, um sicherzustellen, dass die Fastenmahlzeit nicht eintönig und langweilig wurde.
Heutzutage halten sich selbst unter denen, die sich als orthodox bezeichnen, nicht alle strikt an die Kirchenregeln, aber viele fasten. Während weniger strenge Fastenzeiten und Feiertage während der Fastenzeit Milchprodukte und sogar Fisch erlauben, ähnelt die Fastenküche der veganen Ernährung – mit der Ausnahme, dass Honig nicht als „Fast Food“ gilt und nicht verboten ist. Man kann also sagen, dass Fasten durchaus modern ist! Die Fastenküche bietet zudem eine große Auswahl an bekannten Gerichten.
Vorspeisen und Salate
Hier ist es nicht einfach, sondern ganz einfach. Salate und Vorspeisen mit Fleisch, Geflügel, Fisch, Eiern, Butter und anderen Milchprodukten werden von der Speisekarte gestrichen. Das bedeutet: keine Mayonnaise oder ähnliche Saucen, auch keine Sauerrahm. Pflanzenöl (auch „fettarm“ genannt), Essig und Zitronensaft bleiben als Salatdressings übrig. Alle Gewürze sind erlaubt.
In herzhaften Salaten können Fleisch- und Fischzutaten durch andere Proteinquellen ersetzt werden, zum Beispiel durch Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen) und Pilze, etwa durch die leicht erhältlichen Champignons und Austernpilze oder durch getrocknete und gefrorene Wildpilze.
Salate aus frischem Obst und Gemüse der Saison, das in jedem Supermarkt erhältlich ist, sind eine hervorragende Vitaminquelle – zum Beispiel Kohl, Rote Bete, Karotten und geriebene Äpfel. Ein Beispiel dafür ist der „Brush“-Salat mit einem Dressing aus Zitronensaft und Pflanzenöl.
Aus ganz gewöhnlichem Kartoffelpüree lässt sich durch die Zugabe einiger ungewöhnlicher Zutaten eine großartige herzhafte Vorspeise zubereiten – ein gutes Beispiel dafür ist das griechische Nationalgericht Skordalia – Kartoffelpüree mit Knoblauch-Mandel-Paste.
Erste
Denkt man an Fastensuppen, kommt einem natürlich als Erstes der „leere“ Schtschi in den Sinn, der Inbegriff russischer Vorspeise. Die südrussische (ukrainische) Variante ist natürlich der Fastenborschtsch. In beiden Fällen ist Sauerkraut für den Winter sehr nützlich.
Auch andere Gemüse-, Pilz- und Getreide-/Bohnensuppen eignen sich für die Fastenzeit. Lediglich geräuchertes Fleisch und saure Sahne sollten vermieden werden, und die Suppen müssen ausschließlich in Wasser oder Gemüsebrühe zubereitet werden.
Zweite
Während der Fastenzeit müssen Sie nicht unbedingt auf Koteletts und Fleischbällchen verzichten; greifen Sie einfach auf pflanzliche Proteinquellen zurück – zum Beispiel auf Buchweizen und Pilze, aus denen sich hervorragende belarussisch-ukrainische Grechaniki für die Fastenzeit zubereiten lassen.
Vergessen Sie natürlich nicht die Breie auf Wasserbasis – sie sind in vielen Geschmacksrichtungen und mit verschiedenen pflanzlichen Zutaten erhältlich. Buchweizen mit Pilzen schmeckt in dieser Form ebenfalls köstlich.
Neben Getreide und Kartoffeln eignet sich geschmorter Kohl sehr gut zur Fastenzeit, und wenn man Reis hinzufügt, wie bei einem anderen griechischen Fastengericht – Lachanorizo –, wird es noch viel schmackhafter und sättigender.
Desserts und Gebäck
Die Fastenzeit ist kein Grund, auf Süßes und Gebäck zu verzichten! Die Regeln bleiben dieselben: keine Milch, kein Kefir, keine saure Sahne und natürlich keine Eier. Aus Trockenfrüchten lassen sich preiswerte und leckere Desserts zubereiten – zum Beispiel eignen sich Feigen für köstliche, knusprige Fastenwürstchen, ähnlich wie Salami, und Karotten und Walnüsse für süße Kugeln.
Während der gesamten Fastenzeit kann man Pasteten backen – natürlich mit Gemüse- und Pilzfüllungen oder mit Breifüllung, offen und geschlossen, und manchmal sogar so exquisite wie die berühmte Schokoladen-Vanille-Pastete „Zebra“.
Und während der gesamten Fastenzeit, nicht nur an Masleniza, die ihr vorausgeht, kann man goldbraune Pfannkuchen zum Frühstück genießen – die natürlich auch in der Fastenzeit erlaubt sind. Für besonders lockere Pfannkuchen empfiehlt sich Sprudelwasser. Dieses kann man auch anderen Backwaren der Fastenzeit hinzufügen, um sie fluffiger zu machen. Die Pfannkuchen lassen sich mit Gemüse, Pilzen oder Früchten füllen und mit Honig oder Marmelade servieren. Am Lazarussamstag kann man sie sogar mit Kaviar genießen! Übrigens: An hohen Feiertagen wie Mariä Verkündigung und Palmsonntag darf man sich seine Lieblingsfischgerichte gönnen!
Abschließend lässt sich sagen, dass, so köstlich und abwechslungsreich die Fastenspeisen auch sein mögen, Mäßigung beim Essen unerlässlich ist. Andernfalls wird das Fasten lediglich zu einer formalen Traditionsbefolgung, und der Körper wird weiterhin den Geist beherrschen. Nun ja, dann lohnt es sich ja kaum, sich mit Fastengerichten zu beschäftigen…
