Rührei – ist es wirklich so einfach?
Es ist bekannt, dass Menschen Hühner vor etwa 8.000 Jahren domestiziert haben. Anfänglich wurden Hühner jedoch nicht wegen ihrer Eier, sondern wegen ihres zarten und nahrhaften Fleisches gezüchtet. In der Antike gelang es den Menschen nicht, die notwendigen Bedingungen für eine regelmäßige und große Eierproduktion zu schaffen, und die Eier von Masthühnern waren klein. Eier dienten entweder als gelegentliche Ergänzung der Nahrung, wie in der Zeit der Jäger und Sammler, als die Urmenschen wie Wildtiere Vogelnester plünderten, oder als Delikatesse. Im alten Rom wurden Eier mit Honig als Dessert serviert.
In Europa begann der wahre Eierboom erst im 17. Jahrhundert. Natürlich waren die Franzosen auch hier kulinarische Pioniere und erfanden das Omelett – ein Ei, vermischt mit Milch und verschiedenen Gewürzen und über dem Feuer gebraten. Wenig später wurde in England das klassische Spiegelei erfunden, das, zusammen mit gebratenem Speck, zu einem typisch englischen Frühstück wurde, ebenso wie das ebenso beliebte Rührei.
Eier wurden im 19. Jahrhundert in Russland immer beliebter, nachdem nach dem Sieg über Napoleon selbst einfache Soldaten mit der französischen Küche vertraut wurden. Eierspeisen waren nun nicht mehr nur Aristokraten oder Vagabunden vorbehalten (Letztere aßen Eier mangels Alternativen und stahlen sie aus Vogelnestern oder von fremden Hühnern). Man begann, Eier in Kuchen- und Pfannkuchenteig zu geben, und natürlich gab es auch Spiegeleier, die zunächst in Tavernen als Vorspeise serviert wurden.
Erst im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als die Geflügelzucht schließlich industrialisiert wurde und Hühner auch in Dorfhäusern zunehmend die Rolle von Legehennen übernahmen, hielten sich in jedem Haushalt ein Dutzend frischer Eier. Und nicht nur wohlhabende Adelsfamilien begannen, mit dem guten alten Rührei zu experimentieren.
Apropos Aristokraten: Eine ungewöhnliche Variante des Spiegeleis – die Orsini-Eier – ist nach einem italienischen Grafen benannt, der sein Familienrezept mit dem großen französischen Impressionisten Claude Monet teilte. Das Geheimnis dieses Gerichts liegt darin, dass das Eiweiß separat geschlagen und gebacken wird. Anschließend werden die Eigelbe zu diesen schönen Rosetten hinzugefügt und auf die gleiche Weise gebacken.
In verschiedenen Ländern und bei verschiedenen Völkern haben Spiegeleier ihren eigenen regionalen Geschmack und ihre ganz eigenen Besonderheiten. Das herzhafte und aromatische Gericht Shakshuka stammt ursprünglich aus Nordafrika und wurde von den dortigen Juden übernommen. Hier werden Spiegeleier in einer dicken, würzigen Soße aus Tomaten, Paprika und Zwiebeln gegart. Ein ähnliches Gericht, Chirbuli genannt, wird auch in Georgien zubereitet. Das Rezept wird mit Walnüssen und lokalen Gewürzen verfeinert.
Im sonnigen Bulgarien, wo es ebenfalls an Gemüse nicht mangelt, ist das Frühstücksgericht „Mish Mash“ mit seinem amüsanten Namen – was so viel wie „Durcheinander“ oder „skurrile Mischung“ bedeutet – weit verbreitet. Neben Paprika und Tomaten enthält es auch Feta, Peperoni und frische Kräuter. Die Eier werden nicht im Ganzen hinzugefügt, sondern mit den anderen Zutaten vermischt.
Auch in Indien mag man es gerne scharf. Ein indisches Omelett wird in der Pfanne wie ein gefalteter Pfannkuchen zubereitet und mit der gleichen Auswahl an Gemüse und einer Kräutermischung belegt.
Spanien hat seine eigene Variante von Rührei – Huevos Rotos, wörtlich „zerbrochene Eier“. Dieses Gericht vereint auf harmonische Weise die Proteine und Fette von Hühnereiern mit den Kohlenhydraten von jungen, geschmorten Kartoffeln. Auch in Italien ist diese Kombination beliebt, beispielsweise in Form einer Frittata, einem Auflauf aus Eiern und Kartoffeln. Die Kartoffeln werden in kleine Würfel oder dünne Scheiben geschnitten, kurz gekocht und anschließend mit Zwiebeln in einer Pfanne angebraten. Danach werden sie mit einer gewürzten Omelettmischung bedeckt und zunächst in der Pfanne gegart, bevor sie im Ofen leicht überbacken werden.
Amerikaner lieben, genau wie Russen, herzhafte und sättigende Mahlzeiten. Der Legende nach stammt das Denver-Omelett, ein beliebtes Gericht aus amerikanischen Diners, aus der Zeit des Wilden Westens und des Goldrausches. Cowboys, Goldsucher und Soldaten schätzten eine schnelle und nahrhafte Mahlzeit. Ein Denver-Omelett wird mit Schinken, Käse, Gemüse und Sahne zubereitet und benötigt mindestens acht Eier. Es ist nicht nur ein Frühstück, sondern ein vollwertiges Mittagessen.
Zurück zum einfachsten Omelett ohne Zusätze: Es ist ein hervorragendes, leichtes und gesundes Babyessen. Das Eigelb enthält fast alle Nährstoffe, die ein wachsender Körper benötigt, und das Eiweiß ist leicht verdaulich und reich an wichtigen Antioxidantien. Wer im Kindergarten war, erinnert sich vielleicht noch an das zarte Omelett aus dem Ofen. Für ein fluffiges, festes Omelett in der Pfanne empfiehlt sich eine dickwandige Gusseisenpfanne. Eier und Milch im Verhältnis 50:50 verrühren (6 Eier auf 300 ml Milch) und mit einem Schneebesen vorsichtig verrühren, ohne zu lange zu schlagen. Das Omelett mit einem Deckel garen, am besten mit einem transparenten, damit man den Garzustand prüfen kann, ohne den Deckel zu öffnen – denn sonst fällt das Omelett sofort zusammen.
